Wahrsager zwischen Worms und Sandhofer Altrhein oder: Der Kellner als Fährmann

„Bitte - miit Prrozentee!“ „Nein, ich wollte alkoholfreies Bier!“ „Wirr haben nurr miit Prrozentee!“ Erst beim nächsten Ausschwärmen brachte er „Hier - Bleifrei!“ Der italienische Kellner im vollen Restaurant Dehus im Sandhofer Altrhein war in seinem Element, und seine temposelige Launigkeit kam bei unserer frohgemuten Gruppe bestens an. „Haben Sie schon bestellt? Bis 14 Uhr hab ich Zeit, dann muß ich arbeiten!“ -?? Vorher, nach dem Anlanden, war ich auf der Suche nach Toiletten – da stand er in der Tür und tippte versunken in sein Smartphone. „Hier ist der falsche Eingang!“ „Ich suche...“ „Ah, sind Sie von der Gruppe? Die ist da drüben! Toilette: macht 70 Cent!!“ „Auch für Gäste??“ „Warum, meinen Sie, daß ich hier stehe?!“ Lachten wir, und er wies den Weg. „Wenn Sie wüßten, wie das ist, nach einer längeren Fahrt...“ „Weiß ich, weiß ich, ich rudere auch!“

Manuel, seines Zeichens Wanderruderwart des Mannheimer RCs, hatte nicht nur die Organisation der Vereine-reichen Fahrt mit vollendeter Präzision übernommen, sondern uns auch vorab zwischen Schnitzel und vegetarischer Kost wählen lassen. Fleisch an einem heißen Tag vor der Rückfahrt – das war mir zu schwer, und prompt bekam ich „Hier - Bio!“ serviert, ein großes pizza-ähnliches Rund mit allen möglichen Gemüschen, Kartöffelchen, käse-überbacken und mit Salat- und Pfannkuchen-elementen unterlegt - köstlich! Dazu ließ sich‘s mit Blick in den Frühlings- Nachbargarten träumen: Forsythien, Tulpen, Baurebüble und die ersten Stauden im grünen Rasen...

Langsam und zufrieden standen wir Teilnehmer aus Mannheim, Worms, Speyer, Heidelberg, Mainz-Weisenau und Frankenthal gegen 2 von unseren Tischen auf und gingen hinunter zur Fähre. Auf die (ruhig daliegende) hatten wir vorher – genehmigt! - unsere 6 Boote samt Skulls gelegt, weil sich‘s an der Fähre sicherer und sauberer aussteigen ließ als an der schlammigen Rampe. Nach dem Essen: „Unsere Boote fahren spazieren!“ - da ging‘s wohl um ein paar abzuholende Fußgänger. Jetzt hieß es: „Mach schnell! - wir müssen die Boote am anderen Ufer abladen! Da wartet eine Gruppe Radler.“ Sprang ich auf die schon ablegende Fähre – indem unsere letzten Toilettengänger mit verwunderten Gesichtern zum unerwartet verlassenen Anleger runterkamen - Am anderen Ufer dann Tempo: ein Vierer nach dem anderen wurde rasch von der Fähre getragen, um dann in Ruhe und mehr oder minder voll besetzt zu Wasser gebracht zu werden. Unser Dreier war am Wasserende, die Fähre schon recht voll, unser 4. Mann nicht da – da sprang plötzlich unser weißbehemdeter Italiener aus dem Fährhäuschen („Lassen Sie sich ruhig Zeit – ich arrbeite bis 21 Uhr!!“) und half uns, das Boot unter Catharinas Regie halb ins Wasser runterzuschieben ; er wartete, als wir zumindest ein Paar Skulls einlegten und dann einer nach dem anderen ins Boot turnten, und schob uns vollends von der Fährrampe, um sich wieder seiner Fahrgästen zuwenden zu können. Die schauten nicht schlecht, als nach der Fähre auch wir wieder am Restaurant-Ufer anlegten, auf die richtigen Plätze krabbelten und v.a. Manuel endlich wieder an Bord nahmen.

Der steuerte uns nun sicher – hatte doch diese Tour für ihn Expeditionsscharakter: Bei einer Spritztour der Mannheimer im letzten Jahr machten sie bei km 434 nämlich unliebsame Bekanntschaft mit weiter vom Land entfernt herumliegenden Felsbrocken, die im Wahrsager nicht verzeichnet waren. Das entsprechende kalte Bad blieb uns heute erspart; die Sonnenbäder auf dem Rückweg nach Worms hatten Urlaubsformat!

Diese Fahrt verdankten wir also einem Unfall und dem damaligen ermunternden Impuls Michaels vom Wormser RC an Manuel, doch ein Unternehmen für eine größere Gruppe draus zu machen - das war eine gute Idee und ein wunderbarer Tag; vielen Dank!

 

Autor: 
Sabine M. (Weisenauer RV)
Datum: 
Montag, 16 April, 2018 - 08:12