Offene Schleusen – Die Mai-Wanderfahrt von Heidelberg zum Neckarhäuserhof

Warten auf die Schleuse

Am 28. Mai durften sich die Verbleibenden aus dem diesjährigen Frühjahrs-Anfängerkurs an ihrer ersten Wanderfahrt versuchen und dabei weitere Facetten des Rudersports kennenlernen.

Mit uns beiden (leider nur zwei) Laien war natürlich unsere Übungsleiterin und Organisatorin Antje L. dabei, die stets im Einsatz war („Heike, wenn du beim Vorrollen den Steuermann sehen kannst, machste was falsch!“), und eine ganze Reihe erfahrener Ruderer: Janine A., Manuel C., Jana K., Alexander S., Tilo W., Gregor S., Sonja E. und Aaron W.
Der Plan war, von Heidelberg zum Neckarhäuserhof zu rudern, dort beim Grillen die Kraftreserven aufzufüllen und danach die Skulls zurück nach Heidelberg zu schwingen. 38 Kilometer standen damit auf dem Plan – sportlich für die Debütanten – aber das Ziel schien erreichbar!
Als Ablegestelle nutzten wir das Vereinsgelände an der Theodor-Heuss- Brücke, auf dem am gleichen Wochenende die 38. Heidelberger Regatta stattfand. Damit hatten wir auch gleich aufmerksames Publikum sicher: Die verwunderten Blicke der Rennruderer waren uns sicher, als wir unsere Gig-Boote zwischen den grazilen Rennbooten hindurch zur Pritsche trugen und so taten, als würden wir dazugehören. Elegant und unauffällig legten wir schließlich ab und konnten den Blick auf Heidelberg vom Wasser aus genießen.
Dass das Durchfahren von Schleusen für Ruderer nicht ganz ohne ist, merkten auch wir Neulinge spätestens bei der zweiten Schleuse, bei der der Schwall so stark war, dass der Steuermann das Boot nicht mit dem einen zur Verfügung stehenden Bootshaken an der Leiter halten konnte. Glücklicherweise konnte die Pekingente die „Havaristen“ einfangen, sodass alle mit einem kleinen Schrecken davongekommen sind.
In Neckargemünd machten wir eine kurze erste Rast mit lecker Muffins (Danke, Janine!!!). Anschließend ging es im Sonnenschein (!) an den Hängen des wunderschönen Neckartals entlang weiter Richtung Neckarhäuserhof, genauer gesagt zum Klubhaus des HSVK. Dort wurden wir schon von Stephi H. und ihrem Tandem-Radel-Partner empfangen. Bei Bratwurst, Steak, diversen Salaten und süßen Verführungen wurden die leeren Mägen wieder gefüllt und die strapazierten Muskeln gelockert.
Die Rückfahrt musste die Kraftwerk dann ohne Steuermann bestreiten, „Herr Oettinger“ war völlig erschöpft. Gott sei Dank hatte der Rest der Gruppe aber seine Reserven in der Pause wieder aufgefüllt. Denn die Rückfahrt wäre auf leerem Magen sicherlich wesentlich „aufregender“ geworden, als sie es ohnehin war:
Kaum saßen wir wieder in unseren Booten, öffneten sich erneut die Schleusen – diesmal allerdings von oben. Gut, Rudern ist halt ein Wassersport, da sollte einem Regen nicht so viel ausmachen. Strömender Regen, der Blasen auf dem Wasser wirft, ist dann aber doch etwas unangenehm. Als sich dieser Regen dann als Dauerregen entpuppte (auch wenn sich Petrus immer mal wieder einen Spaß erlaubte und durch kurze Pausen unsere Hoffnung auf eine trockene(re) Weiterfahrt schürte) und sich dann noch Donner und schließlich auch Blitze dazugesellten, wurde es Zeit, den Fluss zu verlassen.
Eine schöne Begegnung war einigen von uns jedoch noch vergönnt, bevor wir die Flucht vor dem Gewitter antraten: Ein Biber, eigentlich nachtaktiv, wurde wohl vom Regen aufgeweckt und tauchte plötzlich am Ufer auf.
Nichtsdestotrotz mussten wir schnell vom Wasser und suchten uns in der Nähe von Kleingemünd am Ufer Anlegestellen, an denen wir aussteigen konnten, ohne die Boote zu beschädigen. Ein Boot von uns stieß dabei im gefühlten Nirgendwo sogar auf einen kleinen Steg mit kleinem (Regen-)Schirm. (Janas Augen leuchten vermutlich heute noch verklärt, wenn von DEM STEG die Rede ist.) Obwohl wir zunächst noch Hoffnung hatten, dass das Gewitter „bestimmt gleich vorbei ist“, mussten wir schließlich einsehen, dass wir die Boote an diesem Tag nicht mehr auf dem Wasserweg nach Heidelberg bewegen würden. Während einer kurzen Gewitterpause ruderten wir die Boote zum nahegelegenen Campingplatz und brachten sie bei strömendem Regen in ein improvisiertes Nachtlager. Die durchgeweichte Mannschaft machte sich mit der Bahn nach Hause.
Mit Gundolf Hiebers Hilfe und dank seines Busses mit Anhängerkupplung konnten wir die Boote dann am nächsten Morgen abholen und zurück nach Mannheim bringen. Die letzten neun Kilometer sind wir so leider nicht gerudert – aber wenigstens waren Mann und Material am Ende trocken und gesund zuhause.
Insgesamt war es eine wunderbare Wanderfahrt auf einer wunderschönen Strecke mit viel Lachen und leckerem Essen, die auf jeden Fall in Erinnerung bleiben wird. Und etwas Gutes hatte der Regen zumindest für uns Anfänger: Das Ein- und Aussteigen bekommen wir jetzt auch bei widrigsten Umständen ohne Pritsche hin!
Zuletzt noch ein herzliches Dankeschön für deinen spontanen Einsatz, lieber Gundolf!

Autor: 
Clubzeitung des Mannheimer Ruder Club
Datum: 
Mittwoch, 1 Juni, 2016 - 10:15