AH-Wanderruderfahrt auf Ammer- und Starnberger See vom 7. bis 13. Juni

Die Mannschaft beim Rudern

Es war anno 1992, da gab es im Club ein großes Interesse bei den leicht Angegrauten, auf Wanderruderfahrt zu gehen. Da gab es zwei Angebote, einmal 7 Tage zu den Bayrischen Seen und daneben 4 Tage auf dem Main. Am Ende waren 11 Mann auf den Seen unterwegs und 15 Mann auf dem Main. Die Gruppe „Main“ setzte sich aus Berufstätigen zusammen, weil es nur 4 Tage waren, in der Gruppe „Seen“ fanden sich Rentner, Lehrer und Selbständige wieder. Und das war gut so, denn mit 26 Mann auf Fahrt zu gehen ist zumindest für den Organisator nicht so einfach. Nun, als wieder die Frage auftauchte: „Wo soll's denn hingehen?“, nahm Hans Peter Schröder die Anregung, nach 24 Jahren mal wieder die „Bayrischen Seen“ zu berudern, ins Visier und arbeitete wie gewohnt einen perfekten Plan für eine solche Fahrt aus. Es fanden sich dann, wie im letzten Jahr, wieder 13 Mann, die sich zu dieser Fahrt anmeldeten. Die diesjährige Großwetterlage mit ständigem Regen änderte sich auch nicht, als der Abfahrtstermin näherrückte. Wie die Kameraden 1992 quartierten wir uns im Florianshof in Wörthsee ein, zwischen Ammer- und Starnberger See gelegen. Der inzwischen verstorbene Hotelchef war Landesfeuerwehrhauptmann und so kann man nahe der Rezeption mehrere Vitrinen mit Feuerwehrhelmen aus aller Welt bestaunen. Sogar den gegenüberliegenden Gasthof gibt es noch, mit einem kroatischen Wirt und einer guten Auswahl an Speisen und Getränken. Mit dem Clubbus, der die Barke zog, und einem zusätzlich geliehenen Kleinbus ging es am Dienstag, dem 7.Juni, auf die Reise. Am Mittwoch ging's zum Ammersee nach Herrsching, um den Programmpunkt „Barke-Einsetzen“ abzuarbeiten. Das erwies sich als nicht so einfach, denn die vorgesehene Slipanlage erwies sich als ungeeignet. Das war die Stunde von Carlo, unserem Jüngsten, der souverän mithilfe seines Smartphones über Internet einen Segelverein in Buch ausmachte, wo die Barke eingesetzt werden konnte. Hier zeigte Jochen seine Fahrkünste, als das Gespann mit der Barke rückwärts in einer viel befahrenen Straße bewegt werden musste. Das Aufriggern und Einsetzen wurde von einem angenehmen Nieselregen begleitet, der jedoch die Naturburschen (Durchschnittsalter 75) nicht davon abhielt, anschließend die nördliche Hälfte des Ammersees zu umrunden. Am nächsten Rudertag wurde dann die südliche Hälfte des 15 km langen Sees befahren. Eine Pizzeria mit wunderschönem Biergarten wurde angesteuert, aber der abermalige Regen zwang uns, innen im Restaurant Platz zu nehmen. Damit war der Programmpunkt „Ammersee“ abgearbeitet, d.h. abriggern, verladen und auf zum Starnberger See. Der vorgesehene Start beim Münchener Ruder- und Segelverein von 1910 war nicht möglich, da dort eine Segelregatta stattfand. In Bernried gab es eine Möglichkeit, in einer Marina das Boot mit einem Kran einzusetzen, wie wir es von Berlin gewohnt waren. Eine anschließende Rundfahrt Richtung Seeshaupt, teilweise im Nieselregen, folgte. Im Dunstschleier ahnte man das schöne Alpenpanorama im Süden. Der Vorteil war, dass das Wasser meist spiegelglatt war, die wenigen Segelboote dümpelten vor sich hin. Auf Seen zu rudern ist bei starkem Wind ja oft problematisch, da sich schnell hohe Wellen aufbauen. In Tutzing fand sich ein passabler Biergarten und es regnete nicht einmal. Am nächsten Rudertag steuerten wir nach Norden bis zur Roseninsel, zu der ein Fährboot geht. Die Insel war schon in der Bronzezeit und weit vorher besiedelt. Heute gibt es nur einen Einwohner, und das ist der Gärtner. Kaiserin Sissi war öfter da und traf sich hier mit dem Märchenkönig Ludwig II. Ein Casino ist als Museum erhalten. Vom Wasser aus sieht man davon nichts, alles ist hinter dichtem Wald versteckt. Am Sonntag sollte noch einmal gerudert werden, aber in der Marina wird sonntags, wie es sich in Bayern gehört, nicht gearbeitet und der Kran steht still. So holten wir die Barke noch an Land, verluden sie auf den Hänger und nahmen sie mit nach Wörthsee. So kamen wir am Sonntag doch noch zu dem obligatorischen „Kulturtag“. Ein Besuch im Buchheim-Museum in Bernried, das sich Museum der Phantasie nennt, stand an. Ein sehenswertes Gebäude, ein Werk von dem Star-Architekten Günter Behnisch, von dem auch das Olympiazentrum in München und der Bundestag in Bonn stammen. Eine Sammlung mit Bildern deutscher Expressionisten, die zuvor im Haus der Kunst in München beheimatet war, ist das Herz des Museums. Und wem der Begriff „Shunga“ bisher fremd war, konnte anhand der gerade endenden Sonderausstellung „Shunga und Klimt“ diese Wissenslücke füllen. Phantastisch auch die drallen originellen Figuren des Chemnitzers Karl-Heinz Richter, auf die man überall trifft. Dann ging's nach Starnberg, zum Imbiss an der Uferpromenade und dann war Weiterfahrt zum „Heiligen Berg“, dem Kloster Andechs, der ältesten Wallfahrt Bayerns, das pro Jahr von ca. 30 000 Pilgern besucht wird. In der Klosterkirche fand gerade eine Taufe statt und so konnte man noch dem Orgelspiel lauschen, um dann in feierlicher Stimmung zum Biergarten zu pilgern. Der ein oder andere konnte es sich dann doch nicht verkneifen, sich über einen der hier üblichen mächtigen Schweinshaxen herzumachen. Ja, man war ja schließlich in Bayern! So ging auch diese Wanderfahrt wieder zu Ende.

Autor: 
Clubzeitung des Mannheimer Ruder Club
Datum: 
Montag, 13 Juni, 2016 - 14:45