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Ruderheim des RV OSCH an der Hamme

Wer donnerstags die Boote verlädt, kann samstags auch früh losfahren: Ede, Hans S., Philipp W., Alex S., Nina J. und Jana K. starteten am 23. April pünktlich um 8:30 Uhr am Bootshaus.

Im Gepäck waren neben warmen Sachen (es wurde kein flauschig warmer Tag vorhergesagt) und reichlich Proviant für die Fahrt, inklusive leckeren Nussecken, auch die Rheinperle und die Jubilare 2000. Fest verzurrt und gut gelagert hielten die Boote die ganze Strecke mit Regen und Wind tapfer durch. Im Vereinsbus hingegen wurde fröhlich geplappert, Musik gehört und geschlafen; die Frage ,,Wann sind wir endlich da?“ wurde dabei keineswegs vernachlässigt! Wer reichlich Kaffee in seinem Arbeitsalltag konsumiert, kann auch nach einem großen Pott des schwarzen Gesöffs weiter knacken. Ede und Hans wechselten sich als Fahrer ab, ehe die Meute am Ankuftsort ,,Tietjens Hütte“ auf ihren siebten Mann Claus G. und den Ruder-Verein Osterholz-Scharmbeck von 1901 e.V. traf.

Der RV OSCH ist ein kleiner schnuckeliger Verein, direkt an der Hamme gelegen.

Die Hamme, wer kennt sie nicht? Sie fließt südwestlich, ist 27 km lang und zentraler Hauptentwässerungsgraben für das Teufelsmoor. Außerdem dient sie noch heute als Schifffahrtskanal für die Moorbeäugung via Torfschiff. Mit der Wümme mündet sie als Lesum in die Weser oberhalb von Bremen. Aber zurück zum süßen Ruderverein: Durch die hinten und vorne offene „Garage“, an deren Seite Boote lagern, blickt man über eine Wiese auf eine hüfthohe Hecke. Und dahinter liegt auch schon der Steg. Bei Sonne und Wind ein echter Hingucker. Das Vereinsheim hat im Erdgeschoss eine kleine Bootshalle und Sanitäranlagen. Ein putziger Kraftraum, eine Küche und ein großer Clubraum auf Flussseite mit Balkon sind im Obergeschoss ansässig.
Die meisten Boote befanden sich bei Ankunft gerade auf dem Wasser, da für gewöhnlich eine Bootsvorfahrt stattfindet, an der schon zahlreiche Sportler teilnehmen. Die Rheinperle und Jubilare wurden nach hervorragenden Rangierfähigkeiten von Ede und eifrigem Aufriggern in erster Reihe an der Hecke gelagert. So lassen sich am Wettkampftag zügig die gelben Sitzgelegenheiten ins Wasser gleiten.

Der Hänger konnte ganz in der Nähe auf einem Parkplatz abgestellt werden und die sieben Mannheimer fuhren gen Unterkunft. Im Hotel Jägerstuben in Ritterhude hatte Ede die Zimmer zwar schon reserviert und die Schlüssel lagen bereit, jedoch verbargen sich hinter zwei Doppelzimmern zwei Einzelzimmer (und eines war superior: Raucher-Einzelzimmer). Nach der ersten Verwirrung rief Claus bei der Besitzerin an. Diese hatte er schon zuvor telefonisch beglücken dürfen, da er in der Tat „zu früh“ einchecken wollte, am Spätmittag. Einige Witze später traf die werte Dame dann auch ein. Nachdem das Wirrwarr geklärt war, konnten bis auf Nina und Jana alle ihre Zimmer beziehen. So wurde für die allgemeine Stimmung erst einmal das Abendessen vorgezogen.

Leider servierte die kitschige Besitzerin Claus das falsches Essen; damit er nicht alleine warten musste, gesellte sich Ede dazu. Gut, dass Claus nicht so viel Hunger hatte. Hätte er die Pinkelwurst bestellt, wäre es bestimmt schneller gegangen ;)
Das Essen schmeckte trotzdem gut und war für den Preis nicht zu beanstanden. Nach einem windigen Spaziergang durch das beschauliche Ritterhude, dem ein oder anderen Wein und einem Moorgeist ging es ins Bett. Der Schönheitsschlaf darf immerhin nicht zu kurz kommen!
Nina und Jana konnten nach dem Essen im besten Zimmer des Hauses nächtigen und hatten ein eigenes Großraumbad. Die Nacht schlief sich nicht besser in der luxuriösen Fünf-Sterne-Honeymoon-Suite, aber zum Schlafen sind die Mannheimer nicht angereist.

Ab sieben Uhr konnte gefrühstückt werden. Da eine ukrainische Frauengruppe ebenfalls im Hotel übernachtet hatte und wohl den ganzen Tag noch unterwegs war, bekamen die Ruderer eine eigene Wurst- und Käseplatte auf den Tische gestellt, da das Buffet direkt „weggesaugt“ wurde. Die zierliche Bedienung kam bei so vielen Gästen mit der Nachbereitung kaum hinterher. Dennoch ging es gut gestärkt nach einem kurzen Interview und ein paar Schnappschüssen gegen neun Uhr aufs Wasser.
Das Wetter im Norden zeigte sich von seiner besten April-Seite. Die zuvor ausgezogenen Langarmjacken und Fleecepullis mussten schnell wieder übergeworfen werden, da aus den leicht dunklen Wolken schon nach kurzer Zeit schöner weißer Graupel rieselte. Als zusätzlich der böige Wind kurze Zeit später einsetzte und aus dem Graupelniesel eine weiße Wand wurde, mussten die Mannschaften erneut anhalten, um Regenkleidung und Kopfbedeckungen überzuziehen. Dank endlos „dicken“ Schlägen wurde diese Anstrengung jedoch beim nächsten großen Wolkenloch, einige Kilometer später, rückgängig gemacht. Auf der strömungsarmen Hamme konnten die Mannschaften zunächst vor der schlechten Wetterfront davon rudern.

Durch das Eintauchen der Skulls kam die besondere Farbe des Moorgewässers erst richtig zur Geltung; von Humin- und Folvosäure wird eine bräunlich-gelbliche Färbung verursacht. Beeindruckend wie malerisch das Restaurant Melchershütte an der Hamme liegt. Ein kleiner Steg lädt in der Tat zum Aussteigen ein. Wer mehr Zeit hat, der kann an mehreren Streckenpunkten halten und einkehren. Aber wer rastet, der rostet. So ging es für beide Mannschaften nonstop auch an Neu Helgoland vorbei, unter zahlreichen Brücken entlang und zum ersten Wendepunkt, der Schleuse Hartheckel bei Viehspecken. Nachdem der Kontrollstempel auf der Rallyekarte verbucht wurde, konnte die Reling erklommen und die Boote konnten angebunden werden. Ganz in Ruhe nahm man Essen zu sich und neue Kraft wurde getankt. Philipp hatte sogar selbstgemachte Pfannkuchen mit Zimt und Zucker dabei. Gekonnt, bei wem trotz des starken Windes sowohl Zucker als auch Zimt auf dem Pfannenkuchen landete. Aber eigentlich warteten die Teilnehmer nur den nächsten großen Schauer unter einer kleinen Hütte nahe am Wasser ab. Das Wetter hatte es in sich. Noch mit den letzten Tropfen wurden die nassen Sitze bestiegen und während eines erneutem Graupelschauers wurde die bereits bekannte Strecke zurück gerudert. Nachdem der Himmel aufriss, kamen so viele Kanuten entgegen, dass Jana ein Nest vermutete, welches jedoch nicht entdeckt wurde. Die Sportler in den kleinen Bötchen kamen offensichtlich aus der Gegend. Nordlichter, ein netter Haufen von gemütlichen Menschen mit wohl dickem Fell, haben nämlich stets ein „Moin“ auf den Lippen, egal zu welcher Uhrzeit!
Der Mittagstisch rief, schnell wurden die 11,5 km zum Bootshaus Tietjenʼs bei einem Wechsel zwischen Sonne, Wolken und Schauer absolviert. Auch hier wurde auf die passende Kleidung geachtet. Auf der letzten Etappe kündigte der leckere Duft von Gegrilltem die Ankunft an. Bei starkem Wind konnte sogar draußen in der Sonne gegessen werden. Wer noch nicht genug vom Bratwürstchen hatte, schlug sich den Bauch am vielseitigen Kuchenbuffet voll oder gönnte sich einen Kaffee. Kuchenliebhaber kamen hier absolut auf ihre Kosten!

Anschließend wurde die zweite Runde eingeläutet. Wer flink genug war, kam schneller aufs Wasser. Auch der MRC schaffte es vor der großen Meute ins Nass. Zwar ähnelte die zweite Strecke der ersten, dafür begeisterte sie mit vielen Untiefen und schönem Moorgras. Zügig wurden die 4 ½ km zur Ritterhuder Schleuse absolviert. Am Wendepunkt angelangt wurde verzweifelt und vergeblich der Kontrollstempel gesucht. Nach mehreren Wenden war klar: die Bemühungen reichen, ab zurück! Ein schöner Baum, der sich wie ein Gebüsch in die Hamme schmiegt, diente als Anker, sodass sich die Insassen der Jubilare und der Rheinperle aneinander gereiht bewirten konnten.
Zurück am Verein waren die Damen des RV OSCH so lieb, dass sie den Mannheimern die Geschichte des nicht vorhandenen Stempels glaubten und die Kilometer gutgeschrieben wurden. Guten Gewissens konnten die Boote nun abgeriggert und verladen werden.
Danach durften sich die Sportler vom eigenen Geruch in der Dusche befreien. Wie üblich staute es sich auf der Damenseite in den Sanitäranlangen, sodass nur die männliche Besatzung den Anfang der Siegerehrung mitbekam. Als Teilnahmepreis gab es kleine blaue Trinktüten zum Wiederbefüllen.

Die Rückfahrt bewies, dass es nicht nur im Norden mordskalt war; auch das Ruhrgebiet war von einer weißen Haube überzogen. Noch vor Mitternacht kamen die Ruderer trocken wieder in Mannheim an. Nach einem letzten Absacker zog jeder erschöpft nach Hause. Das Aufriggern wurde getrost auf den nächsten Tag verlagert.

Die Rallye kann man schon fast als sachkundliche Ausfahrt betiteln. Ede tat sein Bestes. Er erklärte Claus, Hans und Jana, welche Tiere und Sehenswürdigkeiten zu sehen waren: „noch ein Moorgraben“, „der Aussichtsturm“, „ah, ein Moorgeier“ sowie weitere Moorvögel, Moorgras und Moormoos und, und, und. Torfstecher wurden leider nicht gesehen, dafür versteckten sich Moorkröten, Moorfische und Moorfliegen. Es soll sogar Moorlibellen geben.

Die Teufelsmoorrallye ist landschaftlich eine echte Perle – eine Kaltwasser-Perle, um genau zu sein. Sie ist bei dem Wetter kräftezehrend und stellt einen bei der Kleiderwahl vor eine große Herausforderung. Aber dennoch ein sehr schöner Ausflug, den man aber nicht jährlich machen möchte. Und ohne die Chauffeure Ede und Hans oder den Steuermann Claus wäre es noch lange nicht so angenehm und toll geworden. Danke dafür!

Autor: 
Clubzeitung des Mannheimer Ruder Club
Datum: 
Montag, 25 April, 2016 - 15:15